Berliner Meisterschaft 2019

Joachim-Hunger-Gedächtnispreis

Quelle: https://www.vsaw.de/

Am Wochenende vom 19.-20.10.19 waren Thorsten und ich erneut auf einer 505er Regatta. Dieses Mal wurde vom Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) die Berliner Meisterschaft der 420er, 29er und 505er ausgerichtet. Eigentlich sollten auch die 470er starten, auf Grund geringer Meldezahl wurden sie jedoch kurzfristig abgesagt.

Freitagabend kamen wir glücklicherweise in einem regenfreien Zeitfenster an. In Erinnerung an Schwerin begannen wir direkt mit dem Aufbau des Bootes. Im Anschluss haben wir das imposante Vereinshaus erkundet und unser Zimmer bezogen. Einige andere Crews waren bereits vor Ort und so ließen wir den Abend in netter Runde ausklingen.

Nach einer kurzen Nacht begann der Tag für uns recht gemütlich, auch wenn auf dem Gelände bereits reges Treiben herrschte. Nach der Steuermannsbesprechung wurde die Startverschiebungsflagge gehisst, ein einlaminierter Ausdruck in DIN A4. Endlich kam ein Lüftchen auf und 15 29er, 25 420er und 20 505er drängelten sich an der Sliprampe. Das erste gestartete Rennen wurde für uns direkt abgebrochen. Der Wind drehte so stark, dass eine faire Wettfahrt nicht mehr zustande gekommen wäre. Der nächste Startversuch nach dem Neuausrichten der Regattabahn lies über eine Stunde auf sich warten, weil der Wind zusehens einschlief. Wir nutzen die Zeit, um erneut verschiedene Manövertechniken zu üben. Bei der ersten Rollwende machte meine Nase Bekanntschaft mit dem Stahlbügel des Flautendreiecks. Ein durchaus effektiver und schmerzhafter Lernprozess.

Da die Havel durch den Wannsee fließt, waren wir unschlüssig, ob mit Strömung im Regattafeld zu rechnen war. Kurzerhand warfen wir unmittelbar an einer Tonne unseren „Strömungsapfel“ über Bord. Da er in den kommenden Minuten nicht vertrieb, konnten wir ihn wieder einsammeln und aufessen. Am Abend erfuhren wir von der Wettfahrtleitung, dass es Schleußen oberhalb und unterhalb des Wannsees gibt. Für die nächste Regatta dort kann man sicher sein, dass es keine Strömung geben kann.

Eine Wettfahrt bestand aus drei Up-and-downs mit Ablauftonne und Lee-Gate. Dabei lag das Ziel direkt neben der Startlinie. So konnten Starts einer Klasse durchgeführt werden, während Boote einer anderen Klasse noch durchs Ziel gingen, was die Wartezeiten für uns angenehm verkürzte. Zudem konnten die 29er 6 Rennen absolvieren, während wir nur 4 beendeten.

Im ersten Rennen hielten wir uns links und mussten dann feststellen, dass mit Abdeckungen der 29er, die von der Luv-Tonne uns entgegenkamen, nicht zu spaßen ist. Aber wieder etwas für die Zukunft gelernt. Insgesamt machten wir den 11. Platz. Im zweiten Rennen hatten wir einen ausgezeichneten Start und konnten uns das ganze Rennen über bei den schnellen Booten halten. Die dafür erforderliche Konzentration brachte meinen Puls auf Hochtouren. Auf dem kurzen Schenkel zum Ziel wollten wir einen unmittelbar vor uns liegenden Gegner angreifen und haben nach der Lee-Tonne für den kurzen Zielsprint den Spinnaker stehen lassen. Das Boot vor uns hatte ihn wie alle anderen bis dahin geborgen und luvte zum Pinnend des Ziels an. Mit einem tieferen Kurs aufs Schiff erkannten wir eine Chance und versuchten unser Glück. Es reichte knapp nicht. Stolz zählten wir die Boote, die vor uns das Ziel bereits passiert hatten (sonst zählen wir immer von hinten): 5 – also waren wir auf dem 6. Platz in dieser Wettfahrt.

Kurz vor dem letzten Lee-Gate im dritten Rennen fuhr ein großer Schubverband durch das Regattafeld und nahm uns jegliche Entscheidungsgewalt bezüglich der Taktik. Am Heck vorbei bildete sich eine Reihe und ein Boot nach dem anderen fuhr erst durchs Gate und dann durchs Ziel.

Im vierten Rennen waren wir wieder im Mittelfeld dabei. Unser Ehrgeiz sorgte dafür, dass wir die Lee-Gate-Tonne mit unserer Spischot einfingen. Durch den Ärger und die Aufregung versäumten wir, uns durch einen Kringel zu entlasten. Da es ohnehin unser schlechtestes Ergebnis war, nahmen wir den DSQ (Disqualified) in Kauf. Auf der Kreuz zurück in den Hafen begrüßten uns fröhlich Maike und Björn auf ihrem 470er. Sie hatten den freien Tag zum Trainieren genutzt. Bei Sonnenuntergang erreichten wir das Vereinshaus.

Nach dem Duschen wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass ein Protest der Wettfahrtleitung gegen uns vorbereitet wurde, der für uns auch wegen unsportlichen Verhaltens in einem DNE (Disqualification not excludable) hätte enden können. Nach Klärung des Vorfalls traten wir von diesem Rennen zurück (RET, retired) und umgingen so die Protestverhandlung.

Während des Abendessens wurden drei Crews zu einer Protestverhandlung gerufen. Ungewöhnlich daran war, dass die Jury die Segler daran erinnerte und den Steuermann jedes Bootes einzeln abholte. Im Anschluss gab es unter ihnen ein freundschaftliches Bier und der Vorfall war geklärt. Währendessen stellten wir fest, dass manche Vorschoter bärengroße Pranken haben.

Sonntag gab es knapp 20° und keinen Wind. Zu der Startverschiebungs-„Flagge“ gesellte sich um 12:30 Uhr „A“: Keine weiteren Wettfahrten mehr. Alle Boote wurden abgetakelt. Die Preise wurden feierlich verteilt und wir traten den Heimweg in Kolonne an.

Was war anders zur letzten Regatta? Wir hatten in Schwerin ein paar Tipps zum Trimm bekommen, die wir nun umgesetzt hatten. Unsere Geschwindigkeit und(!) Höhe an der Kreuz konnten wir dadurch deutlich verbessern. Insbesondere in der Nachstartphase ermöglichte uns dies freien Wind. Auch waren wir nun „erprobte“ Leichtwindsegler und unsere Rollwenden und -halsen wurden stetig besser.

Alles in allem sind wir 9. von 20 Booten geworden. Jetzt hoffen wir natürlich, dass wir im Winter nicht zu viel verlernen und vergessen und in der nächsten Saison hier anknüpfen können.

Der Link zu den Ergebnissen.

Der Link zum offiziellen Bericht auf der Internetseite der 505er Klassenvereinigung.

Nächstes Wochenende führt uns die letzte Regatta für diese Saison im 505er nach Leipzig.

Thorsten und Julia

GER-9000

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