Petermännchen-Regatta 2019

Dieses Wochenende (12.-13.10.2019) waren Thorsten und ich erneut mit dem 505er unterwegs. Dieses Mal ging es nach Schwerin zur Petermännchen-Regatta, benannt nach dem gutmütigen Kobold aus dem Schweriner Schloss.

Die Meldeliste hatten wir im Vorfeld bereits studiert und wussten, welche uns bekannten Team kommen würden. Bereits Freitag abends trafen wir einige davon und die Vorfreude auf die kommenden Regatten wurde noch größer. Im Dunklen und im Sturm hatten wir keine Lust mehr, das Boot aufzubauen, was wir jedoch am nächsten Tag bereuen sollten.

Samstag früh mussten wir dies nachholen und natürlich regnete es aus Strömen und mit einem Blick auf den See wurde klar, dass der Wind noch auf sich warten ließ. Das Wasser lag still und starr und der Regen versperrte die Sicht zum anderen Ufer. Diese graue Suppe hielt sich dann auch den ganzen Tag über hartnäckig und bereitete uns einiges Kopfzerbrechen, was wir bei diesem Wetter anziehen sollten. Hinzu kamen die herbstlichen Temperaturen. Angesagt waren für den Samstag maximal 11 Grad. Letztlich entschieden wir uns für Neoprenanzug – ich trug zusätzlich Ölzeug darüber, um mich vor dem Regen zu schützen.

Regattagebiet nördlich der Inseln (Quelle: www.barsch-alarm.de)

Bei der Steuermannsbesprechung wurden die vielen Untiefen angesprochen, mit denen auf Grund des verhältnismäßig tiefen Wasserstandes und unserem Tiefgang von 1,60m nicht zu spaßen war. Sie sind zwar alle betonnt, aber genau dadurch entsteht auf dem See ein ziemliches Gewirr an Kardinaltonnen. Und dann ist da noch der eine „große Stein“, vor dem nur von einer Seite mit rot-weißer Tonne gewarnt wird. Da positionierte sich zum Glück das DLRG-Boot, um uns zu leiten. Auch konnte man das Flach durchaus an den Wellen erahnen.
Es starteten 16 505er und 20 Contender. Darunter waren auch der amtierende Weltmeister Max Billerbeck im Contender und Lutz Stengel, mehrfacher deutscher Meister und 2018 Weltmeister im 505er. Überhaupt ist Schwerin immer stark besetzt – dieses Jahr machte da keine Ausnahme. Also war uns schnell klar, dass wir sicher nicht weit vorne im Feld landen werden würden. Unser Ziel war also einmal mehr: nicht Letzter werden. Jedoch gab es durchaus Teilnehmer, die wir auch in Bad Zwischenahn bereits hinter uns gelassen hatten.

Schon beim Slippen erübrigte sich die Kleidungsentscheidung, die mich, eine kleine Frostbeule, so lange wie möglich warm und trocken halten sollte. Ich verlor auf dem rutschigen Steg meinen Halt und fiel bäuchlings ins kalte Nass. Leider hatten wir keine Zeit mehr für ein schnelles Umziehen, also hatte ich keine andere Wahl, als meine Zähne zusammen zu beißen. Wenigstens hatten wir warmen Tee dabei, um uns in den Pausen zwischen den Wettfahrten aufzuwärmen.

Mein persönliches Ziel für den Tag war nun klar. Solange es geht auf dem Wasser zu bleiben und mich möglichst nicht zu erkälten – es stehen ja im Oktober noch weitere Regatten an.

Wie bereits bei den Regatten zuvor gab es etwas Neues zu lernen. In Niendorf war die Ostseewelle die Herausforderung. In Bad Zwischenahn musste man sich von einem Windfeld zum nächsten hangeln und auf der Kreuz jeden Winddreher für sich nutzen. Dieses Mal erschwerten die nassen und deshalb klebenden Windfäden das Segeln an der Windkante. Das hieß für mich, ich musste mein Bootsgefühl und das sogenannte „Popometer“ trainieren. Später wurde mir gesagt, dass dieses Bootsgefühl etwas ist, wofür viele Erfahrene Jahre lang trainieren. Hätten wir vielleicht doch etwas früher rausfahren sollen? Dann hätte ich mich länger einsegeln können. Nach jedem Spigang und jeder Wende musste ich den neuen Kurs finden, was zunächst gar nicht einfach war. Nach einer Weile lief es aber einigermaßen.

Was war zu tun? Zunächst orientierte ich mich ganz grob an den anderen Booten und dann natürlich am Kompass. Und dann kamen die Feinheiten. Fällt man mit einem 505er langsam von einem Hoch-am-Wind-Kurs ab, gibt es einen Punkt, an dem der Segeldruck und die Geschwindigkeit am größten ist. Fällt man dann aber weiter ab, wird der Druck nicht wirklich weniger, jedoch reißt die Strömung in Lee vom Segel ab. Das war aber aufgrund der nassen Windbändsel nicht zu sehen, was mich manchmal dazu verleitete, viel zu tief zu segeln, um den Druck zu suchen, wobei ich unnötig Höhe und wichtige Meter verschenkte und wir Platz um Platz im Feld durchgereicht wurden. Nach einigen Malen in denen ich die Krängung falsch interpretierte, gelang es mir dann aber doch, mit Hilfe der Fock den Kurs zu Halten. Sobald sie im Vorliek anfing zu zittern, fiel ich nur ein paar Grad ab, um den Druckpunkt zu finden und Geschwindigkeit aufzubauen. Für mich war es besonders schwer, mir abzugewöhnen, wie im Piraten einfach die größtmögliche Höhe zu fahren. Höhe knüppeln geht natürlich auch bei der Five, macht sie leider nur nicht schnell und am Ende ist es die Balance zwischen Schnelligkeit und Höhe die entscheidet. Zu unserem Glück war der Wind am Samstag sehr konstant, sodass ich den ganzen Tag üben konnte.

Taktisch waren in Schwerin nicht so sehr die Dreher oder die Windfelder, sondern der Start und die Seitenwahl maßgeblich. Die Windrichtung wurde durch Landzungen und die Insel abgelenkt, sodass man erst etwas links raus und dann mit einem langen Schlag auf Steuerbord auf die Landspitze zu und bis fast auf die Layline gut beraten war, was sich auch mehrfach für uns auszahlte.

Im ersten Rennen lief es für uns ganz gut. Da der Wind weiter zunahm, veränderten wir zwischen den Rennen den Trimm. Zum zweiten Rennen erwischte ich einen lehrbuchreifen Start: Mit dem Schallsignal direkt am Pinnend und das auch noch mit guter Geschwindigkeit. Nach kurzer Zeit stellte sich jedoch heraus, dass wir uns vertrimmt hatten und andere Boote deutlich schneller waren. Beim gemeinsamen Abendessen wurde uns bestätigt, dass kaum ein anderes Team etwas am Trimm verändert hatte.

Auf dem Weg vom Ziel in den Hafen merkte ich erst richtig, wie kalt mir tatsächlich war. Im Gefecht der Wettfahrten war es mir fast nicht mehr bewusst gewesen. Während der halben Stunde zum Hafen kreuzen erreichte meine Stimmung auf den Tiefpunkt. Zumindest dachte ich das… Bis ich vom Boot auf den Steg aussteigen wollte und ein zweites Mal an diesem Tag Bekanntschaft mit dem rutschigen Steg machte. Mein blaues Knie und der Regen, der uns weiter ärgern wollte, waren beim Bootabdecken keine Hilfe. Die heiße Dusche und eine anschließende Stärkung mit Glühwein und Bockwürstchen brachte die gute Laune zurück und wir konnten zusammen mit anderen Teams den Tag Revue passieren lassen. Am Abend gab es in der Orangerie des Schweriner Schlosses ein fantastisches Buffet. Spätestens jetzt war der Ärger vergessen. Da wir jedoch etwas verspätet ankamen, bekamen wir die letzten beiden Plätze am Tisch mit Contender-Seglern. Schnell stellte sich heraus, dass sie zu dem ausrichtenden Verein des Saunacups in Leipzig in zwei Wochen gehörten, zu der wir auch schon gemeldet haben. So knüpften wir Bekanntschaften und hatten einen sehr schönen Abend mit lustigen Gesprächen: von Bootsklassen, über Gott (!) und die Welt bis hin zu den Regattaergebnissen und dem hervorragenden Essen.

Am Sonntag begann das erste Rennen um 10:30 Uhr. Nachdem ich mir fest vorgenommen hatte, an diesem Tag nicht ins Wasser zu fallen, begrüßte uns die Sonne schwach durch die Wolken. Zu unserer großen Freude gab es an diesem Vormittag keinen Regen. An der Regattabahn angekommen, dieses Mal trocken und verhältnismäßig warm, nutzten wir die Zeit vor dem Start um nochmal an unseren Rollwenden zu feilen, die am Tag davor nicht immer reibungslos liefen. Nach einem kurzen Einsegeln und Trocknen des Spinnakers, begannen die Wettfahrten mit noch weniger Wind als am Tag zuvor.

Im ersten Rennen wählten wir leider mit einigen wenigen anderen – darunter auch Lutz Stengel – die falsche Seite und fuhren rechts. An der Luvtonne kam dann die Ernüchterung. Im zweiten Rennen hatten wir einen guten Start, der uns aufgrund eines Gesamtrückrufs jedoch leider keinen Vorteil gab. Im dann nochmal gestarteten letzten Rennen stellte sich heraus, dass ich die Regattaregeln in Zukunft genauer studieren sollte. Ein Boot der Wettfahrtleitung hatte Flagge Sierra über unserer Klassenflagge gehisst. Was wir zu dem Zeitpunkt nicht wussten war, dass es sich damit als neues Zielschiff auszeichnet. Es befand sich in der Nähe einer Tonne, die genau zwischen dem „neuen“ und dem „alten“ Zielschiff mit der blauen Flagge befand. An welcher Seite wir die Tonne passieren wollten, sorgte für eine kurze Hektik bei uns an Bord. Bis ich mich entschloss, die Tonne und die Flagge Sierra als Ziellinie zu deuten. Unser hart erkämpfter Vorsprung zum nächsten 505er schwand und kurzer Hand fuhren wir mit einem Aufschießer über die Ziellinie, zeitgleich mit GER-8370. Dass dieses Manöver reichte, bestätigte sich erst bei der Siegerehrung mit einem Blick auf die Ergebnisliste. Auf der Fahrt Richtung Hafen wurde uns die Bedeutung der Flaggenkombination erklärt: Es zeichnet das neue Ziel zwischen dem Schiff und der Bahnmarke aus. Verwirrend war dabei das sehr nahe (20m) gelegene Zielschiff und die reguläre Zieltonne, was als Ziel für die Contender diente.


Die lange Fahrt in den Hafen ermöglichte es uns, das Boot bis auf die Fock und das Großsegel schon abzubauen, was den Abbau an Land deutlich verkürzte. Als das Boot eingepackt gerade auf dem Straßentrailer lag, begann es wieder zu regnen. Wir stellten uns in die Halle, in der die Siegerehrung stattfand und nutzten die Zeit, um mit anderen Seglern zu reden. Max Billerbeck hatte es geschafft, in jedem Rennen Erster zu werden und auch Lutz Stengel landete auf dem ersten Platz. Bei den 505ern waren die Teams sehr stark, viele lagen punktgleich und daher freuten wir uns über unseren 13. Platz von 16 teilgenommenen Teams unter schwierigen Bedingungen. In den einzelnen Wettfahrten hatten wir den 9., 10., (13.), 11. und 12. Platz. Eine Reihe, die wir bei der nächsten Regatta hoffentlich weiter verbessern können.

Hier der Link zu den Ergebnissen. Wir freuen uns schon jetzt auf die nächste Regatta. (und das wird noch nicht in Leipzig sein)

Thorsten und Julia

GER-9000

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