Regatta-Trainingslager am Steinhuder Meer 2018

Freitag, 21. September 2018, Tag 1 unseres Regatta-Trainingslagers am Steinhuder Meer. 

Sechzehn tapfere Matrosen stehen an den Hallen der Segelgruppe der TU Braunschweig bereit, um in Richtung Steinhude aufzubrechen. Ziel ist das Gelände der baltischen Seglervereinigung. Dort, am Steinhuder Meer, wagt das Führungsquintett um Skipperin Maren Nolte das vermeintlich unmögliche: Aus elf Süßwassermatrosen sollen gestandene Seebären geformt werden, die in Zukunft das Regatta-Team der Segelgruppe erweitern. Für viele von uns wird das die erste Gelegenheit sein die gut gerüsteten Regatta-Piraten Luise, Mathilde und Ricarda segeln zu können, deren Namen, auf den hiesigen Gewässern, meist nur ehrfürchtig geflüstert werden.
Dieser Tross, dessen Anblick wohl nur von der legendären Kolonne zum Plauer See geschlagen wird, deren Ziel es war den Plauer See von Thomas, dem Schrecken der mecklenburgischen Seenplatte, zurückzuerobern, setzt sich also pünktlich um 1700 in Bewegung, Richtung Westen.
Da es bei unserer Ankunft bereits dunkel war, luden wir nur unser Gepäck aus und freuten uns bereits auf unser Abendessen. An diesem Abend wurden uns Spaghetti serviert, deren Geheimnis, wie sollte es auch anders sein, einst vom berühmten Entdecker Marco Polo bei den Chinesen geraubt und mit dem Schiff nach Italien gebracht wurde. Genau das richtige Essen für uns Seeräuber. Gesättigt und todmüde vielen wir in unsere Kojen, nichtsahnend was uns der nächste Tag bescheren würde.

 

Samstag, 22. September 2018, Tag 2 unseres Regatta-Trainingslagers am Steinhuder Meer.

Früh am morgen wurden wir durch ein bekanntes Geräusch geweckt, das Klappern der Falle an den Masten der vor der Küste ankernden Boote. Nur klang es diesmal unruhig, laut und furchteinflösend. Der kühle, aber dennoch schöne Spätsommerabend des Vortages hat sich über Nacht in einen der ersten rauen Herbststürme verwandelt. Bei unserem frühmorgendlichen Sportprogramm bekamen wir einen Eindruck, was uns im Laufe des Tages erwarten sollte. Beim Dauerlauf blies uns der Wind mit Stärken von bis zu 5 Bft ins Gesicht. Die Böen waren vermutlich noch stärker. Das ängstliche Gesicht einiger Schiffsjungen und -mädchen verschlimmerte sich noch, als einheimische Segler in einer dunklen Ecke des
Gasthauses von gefährlichen Untiefen berichteten, die eine Folge des trockenen und heißen Sommers sein sollten. Das flache Gewässer und die durch den starken Wind aufgepeitschte See machten das Steinhuder Meer zu einem der gefährlichsten Reviere nördlich des Äquators. Doch wir wären nicht die Nachfahren Carolo Wilhelminas, würden wir uns von so einem Seemannsgarn abschrecken lassen. So begannen wir nach einem üppigen Frühstück unsere Boote aufzutakeln.
Ein Teil der Gruppe, die „Backberts“, sollten am Vormittag die Theorie des schnellen Segelns erlernen, während die zweite Hälfte, die „Steuerberts“, in die raue See stechen sollten.
Nach dem Ablegen wurde uns schnell klar, dass die Einheimischen nicht gelogen haben. Das Meer toste um uns, während wir unter dem Schiff Berührungen unseres Schwertes mit dem Untergrund vernahmen. Auf dem See wirkte die geballte Kraft des Windes noch viel stärker als an Land und es glich einem Wunder, dass alle Boote unbeschadet in den Hafen zurückkehren konnten. In Folge der ersten Eindrücke dieser Naturgewalt beschloss das Führungsquintett eine Abänderung des ansonsten akribisch ausgearbeiteten Trainingsplans. Statt zwei unerfahrene Segler gemeinsam in die tosenden Fluten zu schicken, bekam jeder Matrose einen erfahrenen Segler zur Seite gestellt, der sich mit auf den See hinauswagte. Es war
ein beeindruckendes Erlebnis , wie auch der stärkste Sturm durch eine meisterhafte Bootsbeherrschung gebändigt werden kann. Und so reihte sich schließlich ein Wahnsinnsmanöver an das Nächste. Welle um Welle brach an den, sich durch das Wasser pflügenden, Rümpfen unserer Boote und nach und nach übernahmen auch die Schüler die Steuerung der Boote.
Doch eine plötzlich hereinbrechende Böenfront führte zu den ersten Kenterungen des Trainingslagers. Durch eine beispiellose Seemannschaft konnten die betroffenen Boote und deren Besatzung allerdings schnell zurück in den Hafen geholt werden, weshalb uns dieser Tag letztlich als einer der aufregendsten und leerhaftesten Segeltage unserer noch jungen Seglerkarrieren im Gedächtnis bleiben wird.

 

Sonntag, 23. September 2018, Tag 3 unseres Regatte-Trainingslagers am Steinhuder Meer.

Rasmus war uns wahrlich nicht wohlgesonnen. Am Vortag machte es den Eindruck, er wolle unsere Schiffe an den Felsen des Steinhuder Meeres zerschellen sehen, und heute lag der See spiegelglatt und ruhig vor uns. Nur die ersten grauen Streifen am Horizont ließen erahnen, dass wir uns am letzten Tag des Trainingslagers wohl eher dem Regen als dem Wind stellen müssen. Und so kam es, dass nach dem Frühsport und dem anschließenden Frühstück der Regen einsetzte. An dieser Stelle muss nochmals der Einsatz unseres Smuts Andreas und unserer Gastwirtin Beate gewürdigt werden. Ich denke nur durch die köstlichen Speisen und Getränke konnten wir die Strapazen des Ausflugs überstehen.
An diesem Tag standen zwei Trainingseinheiten auf dem Plan. Zum einen das richtige Arbeiten mit dem Spinnaker, der gut geführt jede noch so langsame Nussschale in ein aufrecht und schnell segelndes Boot verwandeln kann, zum anderen die Theorie des Regattasegelns. Denn es nützt niemandem etwas schnell segeln zu können, wenn am Ende eine schlechte Taktik, ein schlecht gewählter Kurs oder die Unkenntnis der Regeln zu einem erfolglosen Abschneiden bei einer Regatta führen.
Währenddessen wurde der Regen allerdings immer stärker, was das Abbauen und Packen unserer Flotte deutlich verlangsamt hätte, wäre die Crew nicht im Laufe des Wochenendes und im Angesicht der rauen See zu einer Einheit zusammengeschweißt worden. So waren die Trailer schnell beladen und wir konnten uns am frühen Nachmittag zurück auf den Weg nach Braunschweig machen.
Nächstes Jahre werden wir zum „großen Piratenpreis“  an das Steinhuder Meer zurückkehren, um diesen See mit der größten Flotte, die die TU jemals ausgesandt hat, zurückzuerobern…

Ein Gedanke zu „Regatta-Trainingslager am Steinhuder Meer 2018

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.