Willi-Möllmer Gedächtnispreis 2019

Am Nachmittag des 26.April 2019 war es an den Segelhallen nun endlich soweit für Lukas und mich, der Beginn der Reise zu unserer ersten „richtigen“ Regatta. Nachdem wir Ende letzten Jahres schon mal als reines Gewicht bei einer Flauten Regatta auf den Assos dabei sein durften, hatte sich die Motivation selber eine Regatta zu fahren deutlich gesteigert. Dank den zwei Regatta Trainingslagern von Maren und Levin, konnten auch die notwendigen und grundlegenden Skills aufgebaut werden um einen Piraten auf einer Regatta passabel durch den Kurs zu manövrieren. Nach dem zweiten Training dieser Art ergab sich dann auch die Chance, Maren und Levin auf eine Regatta zu folgen, was im Nachhinein deutlich wörtlicher zu verstehen ist als gedacht, aber dazu später mehr.

An besagtem Nachmittag packten wir vier nun unsere Sachen in das Auto und hingen den Doppelstock beladen mit Heinrich und Mathilde an. Voller Motivation stiegen wir ein und waren schon fast vom Nordcampus gefahren als sich der Gedanke „Haben wir was vergessen?“ breit machte.. und ja die Fahrtanmeldung fehlte! Also nochmal zurück zur Halle und vergeblich nach dem Formular gesucht und lediglich die Anleitung „Pirat – Segeln leichter gemacht“ gefunden, die mit Sprüchen wie „Der gute Trimm das Bootes ist Voraussetzung für schnelles Segeln und psychologische Stärke“ von ihrer Qualität überzeugt hat und während der Fahrt hin und wieder für Belustigungen gesorgt hat!

Mit anderweitig besorgter Fahrtanmeldung konnte es nun los gehen nach Berlin zum Segler-Cub Oberspree e.V. an die Unterhavel. Angekommen, war es schon relativ dunkel und nach dem Abladen der Boote und der Begrüßung von Thorsten und Julia, die bereits früher los gefahren sind, war nur noch an Zelt aufbauen und Schlafen gehen zu denken. Nach einer erholsamen Nacht konnte dann ein erster Blick auf das schöne Revier im morgendlichen Nebel geworfen und alsbald das tolle Frühstück eingenommen werden.

Auf das Frühstück folgte dann die Anmeldung bei der Regattaleitung, das Besprechen der Segelanweisung und das Aufbauen der Boote. Hier zeigte sich wie viel Übung bei den anderen Teams vorhanden war, die ihr Boot in gefühlten 15 Minuten segelklar hatten. Dabei konnten Lukas und ich uns aber den ein oder anderen Trick abschauen, um dann auch ganz professionell an Land schon die Fock stehen zu haben. Mit aufgebauten Booten und angezogenem Neoprenanzug ging es nun also ca. eine Stunde vor dem ersten Ankündigungssignal hinaus in die Fluten zum Einsegeln.

Da wir beide noch nicht häufig mit der Mathilde gefahren sind, hat sich das Einsegeln vor dem Segler-Club etwas in die länge gezogen, was durch das unerwartete automatische bergen des Großsegels mitten in der Fahrrinne nicht begünstigt wurde. Währenddessen begrüßten uns Maren und Levin auf dem Wasser, die uns nochmal darauf hingewiesen haben, dass die Regatta bald anfängt und wir am besten schon mal näher ran fahren sollten. Gesagt getan haben wir uns nach der Reparatur in die vermeintlich richtige Richtung begeben, mit noch gut 20 Minuten zum Start waren wir zunächst noch entspannt. Bei genauerem studieren des Sees hat sich jedoch gezeigt, dass an dem WE eine weitere Regatta ausgetragen wurde und wir nicht gut einen sondern eher gut zwei Kilometer zurück legen müssen in den 20 Minuten. Also Regatta Modus an und ab geht die Post haben wir uns gedacht und sind mit einer gar unglaubwürdigen Pünktlichkeit zum 5 Minuten Signal am Start erschienen. Dort schauten Thorsten, Julia, Maren und Levin schon halbwegs besorgt über den See wo wir denn eigentlich abgeblieben sind.

Nach der ersten Wettfahrt erklärt sich dann auch was ich im ersten Absatz meinte mit dem wörtlich nehmen vom Hinterher fahren. Nicht nur das wir gut zehn bis immer mehr Bootslängen hinter dem Feld gefahren sind, haben uns außerdem die Laser und Laser Radial im Laufe der Wettfahrt soweit eingeholt das wir nur noch Schwerter und Segel zum stecken um uns herum wahrgenommen haben. Nun fragt man sich natürlich was da schief gelaufen ist? Natürlich war es zum einen unsere erste Regatta, aber zum anderen hätte meine Wenigkeit, der Steuermann, auch einfach mal mehr auf seinen deutlich enspannteren Vorschoter hören und den Baumniederholer bei dem recht ordentlichen Wind wenigstens ein bisschen anziehen können. Durch diese grandiose Leistung erreichten wir wieder pünktlich zum 5 Minuten Signal der zweiten Wettfahrt den Start und nicht viel pünktlicher bei der dritten und letzten Wettfahrt des Tages. Wobei es sich für uns somit mehr wie eine große Wettfahrt angefühlt und das Bier und das Essen am Abend sehr schmackhaft gemacht hat. Deutlich konkurrenzfähiger gaben sich an diesem Tag Thorsten und Julia sowie Maren und Levin, die nach dem ersten Tag fast gleichauf in der Rangliste platziert waren.

Der Sonntag begann mit noch höheren Temperaturen, wolkenlosem Himmel, einer unermüdlichen Sonne und immer noch gutem, aber nicht so krassem Wind wie am Tag zuvor. Mit der Sonne im Nacken auf der Terrasse des Vereinsheims sitzend, genossen wir unser Frühstück mit allen anderen Piraten Seglern, die sich als eine sehr umgängliche und hilfreiche Gemeinde herausstellte. So geschah es, dass selbst beim Frühstück schon über verschiedene Tricks und Tipps geredet wurde und sich darum bemüht wurde unseren Baumniederholer halbwegs sicher am Mast zu befestigen. Wie man merkt, standen wir auf Kriegsfuß mit dieser Trimmeinrichtung, dessen Nieten am Mast kaum mehr Halt boten und mit der gekonnten Nutzung einer Leine an dem Beschlag „repariert“ wurde um im Notfall wenigstens noch nach Hause segeln zu können.

Nach den kleinen und großen Reparaturen gingen die Boote wieder aufs Wasser zu zwei weiteren Wettfahrten. In Anbetracht der Situation vom Vortrag wurde kurzerhand die Start Reihenfolge geändert und die Laser zuerst gestartet und außerdem andere Bahnen ausgewählt für die Bootsklassen um weitere Konfrontationen zu vermindern. Natürlich hat uns das nicht aufgehalten, weshalb wir uns bei der Umrundung des Lee Gates mitten in ein Feld von Lasern gemischt haben. Durch eine nicht vorhersehbares Verhalten unserer Seits, durch die Umrundung der nicht am nächsten gelegenen Tonne, erhielten wir auch prompt lautstark von einem der Laser Segler zu hören das wir wohl gerade irgendwas falsch gemacht haben.

Mit tausend Fragezeichen in unseren Gesichtern sind wir, wie den Tag zuvor auch, ja schon fast trotzig die Wettfahrt weiter gefahren. Obwohl wir sehr weit hinten lagen war ein Aufgeben nicht drin, dafür hat das Segeln auch einfach viel zu viel Spaß gemacht an den Tagen. Diese Motivation wurde später auch mit einem grandiosen 16. Platz von 16 und vielen lieben Worten und einem herzlichen Applaus seitens der Regattaleitung und der Segler belohnt. Wir selber waren vollkommen Zufrieden mit unserer Leistung, alles was wir uns vorgenommen hatten (a) nicht Kentern und (b) kein Boot kaputt machen hatten wir erfüllt und konnten uns besten Gewissens zum Abbau der Boote und auf den Weg nach Hause begeben.

Aber Stop, da waren doch noch zwei andere Teams der Segelgruppe, wie ist es denen denn ergangen fragt ihr euch bestimmt! Nachdem eine nahe liegende Platzierung am ersten Tag erreicht werden konnte, hat dies den Kampfgeist der beiden Crews deutlich gesteigert. Diese Konkurrenz bündelte sich bei der vorletzten Wettfahrt an der Luv Tonne, wo die Luise und der Heinrich auf Tuchfühlung gegangen sind und die Luise nun mit einem fehlenden Stück der Scheuerleiste auskommen muss. Doch trotz dem kleinen Unfall wurden Maren und Levin mit dem 12. Platz und Thorsten und Julia mit einem konkurrenzfähigen 13. Platz belohnt und alle Teilnehmer haben sich über das tolle Segelwochenende auf der Unterhavel gefreut.

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